Um die Fortschrittlichkeit der modernen Hilfsmittel zu verstehen, welche Fehlsichtigkeit korrigieren können, lohnt sich ein Blick auf deren Vorgänger in früheren Zeiten.
Manche Sehhilfen wie die Rot-Grün-Brille, welche im Artikel “Rolle der Genetik bei Sehschwäche” näher erklärt wird, sind auch an sich revolutionär und innovativ. In diesem Fall war die vorangegangene Lösungsvariante, die Erkrankung zu akzeptieren und sich mit den darauffolgenden Umständen zu arrangieren. Dieser Beitrag beschäftigt sich daher mit der Entwicklung der drei typischsten Sehhilfen im Bezug auf Kurz- und Weisichtigkeit.

Geschichte der Sehhilfen

Vom Lesestein zur modernen Brille

Die Idee, dass man Sehfehler mit einer gekrümmten, optischen Linse korrigieren könnte, stammt von dem arabischen Mathematiker und Astronom Ibn al-Haitam. Nachdem sein Buch “Schatz der Optik” ins Lateinische übersetzt wurde, griffen Mönche aus Italien diesen Gedanken auf und setzten die Vorstellung in die Tat um. Die halbkugelartigen Linsen aus dem 13. Jahrhundert wurden von Roger Bacon verbessert und auf ihre wissenschaftliche Bedeutung hin untersucht.

Ein bedeutender Fortschritt wurde im gleichen Jahrhundert auf Murano – einer Insel im Norden Venedigs – gemacht. Die Nietbrille entwickelte den Lesestein insofern weiter, dass zwei konvexe – nach außen gewölbte – Glaslinsen durch eine Holzfassung mit Stiel kombiniert wurden. Das “Zweiglas” konnte man anschließend vor die Augen halten und folglich die Umgebung schärfer darstellen. Murano galt lange Zeit über als Zentrum der Glasverarbeitung.

Der nächste Schritt auf der Entwicklungsleiter wurde im späten 14. Jahrhundert mit der Bügelbrille erzielt, welche lediglich auf dem Nasenrücken aufsaß. Durch die praktischere Handhabung fand diese Brillenvariante vermehrt Anwendung und auch die neuen Materialien wie Eisen, Holz, Knochen oder Bronze trugen zur Stabilität bei. Spätestens mit der Erfindung des Buchdrucks 1445 stieg die Nachfrage nach Brillen als Lesehilfe enorm an.

Die Ohren- oder auch Schläfenbrille wurde schließlich im 18. Jahrhundert erfunden, wodurch das ständige Problem des Verrutschens endgültig gelöst wurde. Die Bügel, welche nun ebenfalls an den Ohren Auflage fanden, sind mit den heutigen Brillenkonstruktionen vergleichbar.

Im 20. Jahrhundert wurde schließlich die Kunststofffassung eingeführt, welche das Gewicht bei der Nasenauflage deutlich reduzierte, sodass die Sehhilfe keine lästigen Nachteile mehr mit sich brachte, sondern lediglich durch die verbesserte Sehkraft überzeugen konnte.

Die “unsichtbare” Sehhilfe

Die Geschichte der Kontaktlinsen ist weitaus jünger als jene der Brille. Dennoch basiert sie auf den gleichen Überlegungen des 13. Jahrhunderts und schließlich auf den physikalischen Erkenntnissen über Streu- und Sammellinsen. Als Pioniervater der modernen Kontaktlinse werden die Forscher Adolf Eugen Fick und August Müller angesehen. Im Jahr 1887 publizierten beide ihre Doktorarbeiten, welche sich mit dem Thema Kontakt- bzw. Hornhautlinsen beschäftigten.
Die ersten Versuche mit Linsen, die unmittelbar auf der Hornhaut aufliegen, wurden mit sauerstoffdurchlässigem Glas gemacht, welches perfekt an die Wölbung und Größe des jeweiligen Auges angepasst wurde. Diese Variante basierte aber einerseits auf einem sehr schweren Material und brachte zudem ein hohes Risiko von zersplitternden Linsen mit sich. Diesen Gefahren konnte man mit der ersten Kontaktlinse aus weichem Hydrogel aus dem Weg gehen, welche 1959 von dem tschechischen Chemiker Otto Wichterle vorgestellt wurde. Mit dieser Erfindung, wurde die Kontaktlinse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und der kommerzielle Vertrieb konnte beginnen. Die moderne Marktforschung strebt nach einer ständigen Verbesserung der Produkte. Im Sinne der Kontaktlinsen wird darum seither an einem noch höheren Tragekomfort gearbeitet. Dem Verbraucher werden im Handel mittlerweile harte und weiche Kontaktlinsen von zahlreichen Marken angeboten und bezüglich der individuellen Verträglichkeit wird man vom Augenarzt oder in Optikfachgeschäften beraten.

Refraktive Chirurgie

Mit medizinischen Eingriffen soll nicht nur eine Sehhilfe angeboten werden – es wird die Problemursache behoben, um eine nachhaltig gute Sehkraft zu bezwecken. Augenoperationen zur Korrektur von optischen Abbildungsfehlern werden unter diesem Sammelbegriff der refraktive Chirugie zusammengefasst.
Bereits 1896 führte der niederländische Professor Lendeer Jans Lans erste Experimente diesbezüglich durch. Seiner These zu Folge sollen kleine Einschnitte an der Hornhaut dem verschwommenen Bild, welches durch eine Hornhautverkrümmung entsteht, entgegenwirken. Rund 30 Jahre später erfolgt durch den japanische Augenarzt Tsumotu Sato eine erste Anwendung. Durch die chirurgischen Einschnitte wird die Hornhaut instabil und flacht daraufhin ab. Bis zu Beginn der 60er Jahre waren solche Modellierungen an der Hornhaut die vorherrschende Operationsmethode.

Ab 1978 kam die Methode des russischen Arztes Svyatoslav Fyodorov vermehrt zum Einsatz, welche als radiale Keratotomie bezeichnet wird. Diese dient zur Korrektur von Myopie bzw. Kurzsichtigkeit. Dabei wird ebenfalls das Hornhautgewölbe durch kleine Einschnitte abgeflacht, wozu sie hier genauer nachlesen können.

Schließlich wurde 1986 durch die Variante der photorefraktiven Keratektomie, erstmals ein Laser als medizinisches Instrument für die jeweiligen Einschnitte in Betracht gezogen. Ein deutscher Augenarzt namens Dr. Theo Seiler führte die erste Behandlung dieser Art durch.

Heutzutage gibt es ein breites Spektrum von Methoden des Augen Laserns, wobei die LASIK und LASEK als die weitverbreitetsten zählen. Der hauptsächliche Unterschied besteht darin, dass bei letzterer Option der Eingriff auf der Oberfläche der Hornhaut stattfindet und bei der LASIK Variante unterhalb dieser schmerzempfindlichen Schicht operiert wird. Ein individuelles Abwägen der Vorteile und der Risiken sowie eine fachärztliche Beratung sind in jedem Fall von großer Bedeutung.

Anders als noch vor wenigen Jahrhunderten sind durch diese breite Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten die Betroffenen ihrer Fehlsichtigkeit gegenüber nicht mehr hilflos ausgeliefert. In verschiedenen Preiskategorien findet sich für jeden Menschen eine temporäre oder permanente Lösung.